Umland · 29. September 2026
Münchens Umland: Oberschleißheim, Riem und die Orte hinter dem Konzept
Regattastrecke, Schleißheimer Schloss und Reitanlage Riem: Welche Geschichte das Münchner Umland mit dem Sport verbindet.

Eine Olympiabewerbung mit dem Namen München spielt sich nicht nur in der Innenstadt ab. Schon 1972 lagen wichtige Anlagen außerhalb des Olympiaparks. Oberschleißheim ist ein Beispiel für diesen größeren Maßstab, Riem ein anderes. Beide Orte haben eigene Geschichten, lange bevor sie auf einer Sportstättenkarte auftauchen. Wer sie nur als Punkte im Bewerbungskonzept betrachtet, übersieht genau das, was bei einer künftigen Nutzung wichtig wäre: die Menschen und die bestehenden Funktionen am Ort.
Oberschleißheim: höfische Landschaft und Regattastrecke
In Oberschleißheim prägt die Schlossanlage die ältere Geschichte. Das Neue Schloss steht für die ambitionierte Residenzplanung des Kurfürsten Max Emanuel im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert. Park, Kanäle und Gebäude erzählen von einer ganz anderen Form von Öffentlichkeit als die spätere Sportanlage. Das Foto oben zeigt das Schloss von der Parkseite; es zeigt ausdrücklich nicht die Regattastrecke.
Die Olympia-Regattaanlage entstand für die Spiele von 1972. Dort wurden Rudern und Kanurennsport ausgetragen. Die Anlage wird weiterhin für Training und Veranstaltungen verwendet; der Olympiapark beschreibt darüber hinaus Freizeitnutzung im Umfeld. Der fortgesetzte Betrieb zeigt, dass ein Olympiaort nicht zwingend nach wenigen Wochen verschwinden muss. Er belegt jedoch für sich allein keine künftige Finanzierung oder Eignung für neue Spiele. Genau diese Fragen müssen bei einer Bewerbung geprüft werden.
Riem: Reiten auf einem Gelände mit schwieriger Vorgeschichte
Die Olympia-Reitanlage in Riem wurde für 1972 geschaffen. Ihre Vorgeschichte ist kein harmloses Vorwort: Der KulturGeschichtsPfad der Stadt schildert, dass sie auf erweitertem Gelände einer früheren SS-Hauptreitschule entstand. Im Zusammenhang mit dem damaligen Flughafen München-Riem erinnert die städtische Publikation auch an den Einsatz von Häftlingen bei gefährlichen Arbeiten. Diese Geschichte verdient eine genaue und respektvolle Darstellung. Wer Riem als möglichen künftigen Reitstandort nennt, sollte nicht so tun, als beginne der Ort erst mit der Sportanlage.
Heute ist Riem zudem ein Stadtteil mit Wohngebieten, Messe und Grünflächen. Der Blick auf das Gelände muss daher mehr umfassen als die Eignung für einen Wettkampf: Anfahrt, temporäre Bauten, Schutz bestehender Nutzungen und die Wirkung auf das Umfeld gehören dazu.
Ein Konzept ist noch kein Austragungsplan
Die offizielle Bewerbungsseite nennt die Olympia-Reitanlage Riem und Orte im Umland in ihrer Übersicht. Das ist der Stand eines Bewerbungskonzepts. München wurde als deutscher Kandidat ausgewählt; eine Vergabe durch das IOC und endgültige Detailplanung stehen noch aus. Insbesondere bei Eingriffen in bestehende Anlagen oder Landschaften ist die Frage „Was genau wird gebaut und was bleibt danach?“ wichtiger als eine hübsche Karte mit kurzen Wegen.
Was die Region entscheiden muss
Für Anwohnende wäre eine weitere Bewerbung auch eine Mobilitäts- und Alltagsfrage. Wie gelangen Menschen zu Sportstätten, ohne dass Wege für Pendlerinnen, Pendler und Anwohnende schlechter werden? Wie werden Trainingsorte während Umbau und Veranstaltung nutzbar gehalten? Wem gehören die Anlagen und wer trägt die Folgekosten? Die Antworten sind ortsspezifisch. Oberschleißheim und Riem können darum weder als bloße Anhängsel Münchens noch als austauschbare Kulissen behandelt werden.
Mehr zur historischen Nachnutzung einzelner Anlagen steht im Überblick zu den Sportstätten von 1972. Der Beitrag zum heutigen Konzept ordnet die offenen Fragen der Bewerbung ein.